„Im Winter die Heizung nicht eingeschaltet“: So schaffte es ein Paar mit 40 in den Ruhestand

FIRE-Bewegung

Die FIRE (Financial Independence, Retire Early) Bewegung klingt nach einem Versprechen, das fast zu gut ist, um wahr zu sein. Ein Leben ohne Wecker, Chef oder Pendelstress – und das Jahrzehnte vor dem üblichen Rentenalter. Katie und Alan Donegan, ein britisches Paar, haben es geschafft. Mit 35 und 40 verabschiedeten sie sich aus dem Arbeitsleben und erklärten ihre persönliche Freiheit für erreicht.

Sparen, bis es sich lohnt – und trotzdem gut leben

Katie und Alan wirken nicht wie Menschen, die auf alles verzichten. Sie reisen, geben Kurse und erzählen offen, wie sie es geschafft haben. Ihr Geheimnis liegt in der radikalen Ehrlichkeit, mit der sie ihre Finanzen betrachteten. „Wir haben einfach angefangen, jede Ausgabe zu hinterfragen“, sagt Katie in einem Interview. Der Gedanke: Jeder Euro, der nicht ausgegeben wird, bringt sie näher an die Unabhängigkeit.

Der Ansatz ist simpel, aber konsequent. Statt ihr Einkommen zu steigern, suchten sie nach Wegen, weniger zu brauchen. Diese Idee – Kern des Frugalismus – zieht sich durch ihr Leben. Warm anziehen statt Heizung aufdrehen. Fahrrad statt Auto. Und vor allem: Geld investieren, nicht liegen lassen. „Wir haben im Winter die Heizung nicht eingeschaltet, außer wenn meine Mutter zu Besuch kam“, erzählt Katie lachend.

Das Paar investierte in günstige Indexfonds, breit gestreut und langfristig. Ihr Ziel: 25 Jahresausgaben als Sicherheitspuffer. Ein Prinzip, das in der FIRE-Bewegung als „25x-Regel“ bekannt ist. Wer das erreicht, kann theoretisch von den Erträgen leben, ohne sein Kapital anzutasten. 2019 war es bei den Donegans so weit. Rund zwei Millionen Pfund, umgerechnet etwa 2,3 Millionen Euro – genug, um nie wieder arbeiten zu müssen.

FIRE-Bewegung: Von einer Idee zum Lebensmodell

Was als Nischenphänomen begann, ist längst zu einer weltweiten Bewegung geworden. Die FIRE-Bewegung – kurz für Financial Independence, Retire Early – zieht Menschen an, die das klassische Arbeitsleben hinterfragen. Nicht reich werden um des Reichtums willen, sondern frei entscheiden, wie man seine Zeit nutzt.

In Deutschland wächst die Szene langsam, aber stetig. Online-Communities, Podcasts und Finanzblogs berichten über Wege zur finanziellen Unabhängigkeit. Namen wie Oliver Noelting oder Madame Moneypenny sind zu Marken geworden. Sie zeigen, dass Sparen nichts mit Verzicht, sondern mit Selbstbestimmung zu tun hat.

Viele Anhänger verfolgen das Ziel, früh in Rente zu gehen, manche sogar mit 35 oder 40 Jahren. Doch nicht jeder muss das Rad so extrem drehen wie die Donegans. Der Kern bleibt derselbe: Wer weniger ausgibt und gezielt investiert, verschafft sich Freiraum. Ob das zur Rente mit 40 reicht oder einfach zu einem entspannten Lebensstil mit weniger Arbeitsdruck, entscheidet jeder selbst.

Alan Donegan beschreibt es so: „Sobald deine Investitionen deine Ausgaben decken, bist du frei. Der Rest ist nur Psychologie.“ Seine Worte treffen einen Nerv. Denn viele Menschen wünschen sich weniger Stress, nicht unbedingt Luxus.

Disziplin statt Lottogewinn – der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit

Die Erfolgsformel der Donegans lässt sich in drei klare Schritte fassen:

  • Einnahmen erhöhen, um mehr Spielraum zum Sparen zu schaffen – etwa durch Nebenprojekte oder Weiterbildung.
  • Ausgaben radikal prüfen und sich von Dingen trennen, die nicht wirklich glücklich machen.
  • Investieren, am besten breit gestreut über ETFs oder Indexfonds, um vom Zinseszins zu profitieren.

So baute das Paar über Jahre systematisch Vermögen auf. Kein Glücksspiel, kein geerbtes Geld – nur Konsequenz. Dabei half ihnen ein klares Ziel: finanzielle Sicherheit, nicht Luxus. Diese Haltung ist typisch für die FIRE-Szene. Viele verzichten bewusst auf Statussymbole. Statt eines neuen Autos gibt es lieber einen ETF-Sparplan. Statt einer Designerjacke – Freiheit.

Alan und Katie zeigen, dass man nicht Millionär sein muss, um früh in Rente gehen zu können. Wer sparsam lebt, kann schon mit deutlich weniger Kapital den Absprung schaffen. Entscheidend ist, die eigene „Sparquote“ hochzuhalten – also den Anteil des Einkommens, der investiert wird. Die Donegans lagen bei über 50 Prozent.

Ihr Beispiel inspiriert Menschen weltweit. Sie bieten kostenlose Online-Kurse an, teilen ihre Tabellen, ihre Denkweisen und ihre Fehler. Das macht sie glaubwürdig. Denn Perfektion spielt hier keine Rolle, Beständigkeit schon.

Lektionen für alle, die vom Ruhestand mit 40 träumen

Natürlich funktioniert nicht jede Geschichte gleich. Nicht jeder kann mit Mitte 30 den Laptop für immer zuklappen. Doch viele Prinzipien der FIRE-Philosophie lassen sich auch im normalen Leben anwenden. Wer regelmäßig spart, Schulden vermeidet, klug investiert und langfristig denkt, rückt seiner frühen Rente ein Stück näher.

Eine einfache Rechenregel zeigt, wie realistisch das sein kann:

  • Wer zehn Prozent seines Nettogehalts spart, füllt langfristig eine solide Rentenlücke.
  • Mit 20 Prozent wächst der finanzielle Puffer schnell genug, um früher kürzerzutreten.
  • Und wer 40 oder 50 Prozent spart, kann – wie die Donegans – tatsächlich den Arbeitsausstieg planen.

In Zahlen heißt das:

  • Mit 30 Jahren, 2319 Euro netto und zehn Prozent Sparquote lassen sich bis 67 etwa 125.000 Euro aufbauen.
  • Mit 40 und höherem Einkommen wächst der Effekt noch stärker. Wer clever investiert, kann die Lücke zur klassischen Rente schließen.
  • Besonders wirksam: ETF-Sparpläne mit rund fünf Prozent Rendite. So entsteht aus regelmäßigem Sparen echtes Vermögen.

Der Gedanke hinter allem bleibt derselbe: Kontrolle über die eigenen Finanzen bedeutet Kontrolle über das eigene Leben.

Fazit: Warum die FIRE-Bewegung mehr ist als ein Trend

Die Geschichte der Donegans zeigt, dass Freiheit kein Zufall ist, sondern das Ergebnis von Haltung. Die FIRE-Bewegung steht für Selbstbestimmung, Planung und Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Sie fordert, die eigenen Bedürfnisse ehrlich zu prüfen und Geld als Werkzeug zu sehen – nicht als Ziel.

Frugalismus, Disziplin und Weitblick ersetzen hier Glück und Zufall. Das passiert nicht von heute auf morgen – doch wer dranbleibt, wird Ergebnisse sehen. Wer klein anfängt, spürt schnell den Unterschied: weniger Stress, mehr Kontrolle, mehr Ruhe. Und vielleicht, irgendwann den Moment, in dem man sagen kann: „Ich bin raus.“

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